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Artikel getaggt mit ‘Biologie’

Was hat sich die FPÖ bloß dabei gedacht?

Das ist wohl die Frage, die vielen Menschen durch den Kopf geistert, als unlängst die FPÖ-Plakate in Wien zu sehen wurden. Die irgendetwas mit Blut, Wien, Fremdes tut gut und Mut zusammengereimt haben. Genau kann ich mich nicht erinnern. Auf jeden Fall brandet der Empörungssturm durch die inländische Medienlandschaft. Verwüstungen sind bereits zu spüren. Die viel interessantere Frage wird aber eher selten gestellt: Was hat sich die FPÖ dabei gedacht? Dass sie mit einer direkten Verbindung zur „Blut und Boden(=Wien)“-Ideologie Stimmen gewinnen. Auch wenn Österreich vieles ist, aber derart konkrete Assoziationen zum Nationalsozialismus werden potentielle Wähler_innen wohl eher abschrecken.

Die FPÖ muss also einen anderen Gedanken dahinter gehabt haben, denn nur mit dieser Assoziation wäre dies wohl ein äußerst missglückter Versuch Wähler_innenstimmen zu lukrieren. Nur zu provozieren und zu hoffen, dass es viele Leute gibt, die trotz der ganzen Aufmachung die FPÖ wählen, kann zwar stimmen, ist aber meines Erachtens nicht die ganze Wahrheit. Dazu ist das Wort „Blut“ zu sehr vorbelastet. Natürlich war die Konnotation zum NS-Regime auch ein (geplanter) Grund und dort ist die FPÖ einmal zu loben: Als Linker muss ich sagen, dass die Strategie vieles hat, was anderen Parteien fehlt: Ein durchgehendes Branding, das sie konsequent durchsetzen, auch wenn sie andere kritisieren. Auch wenn sich kein_e vernünftige_r Politiker_in dorthin zu gehen traut: Sie wirkt authentisch und vor allem glaubwürdig. Aber was hat sich die FPÖ noch gedacht? Ich gehe davon aus, dass die FPÖ mehr ist als nur ein Nazi-Haufen, solche Unterstellungen wären plump und würden nicht den Kern der Sache treffen. Zweitens heizt dies nur die Anhänger_innen der FPÖ weiter an und ersetzt ein vereinfachtes Bild durch ein anderes.

Was hat es also genau mit „Blut“ an sich? Dort muss man in die „Praxis“ gehen, so in etwa zum roten Kreuz. Wenn man Menschen fragen würden, ob sie Blut von Muslim_innen nehmen würden, würden viele Verneinen. Blut ist nämlich etwas „körpereigenes“ und so würde vermutlich sich die Mehrzahl der Menschen grauen, wenn sie auf den Gedanken kämen, sie hätten „muslimisches Blut“ in sich. Hier gibt es starke Ethnisierungstendenzen, die natürlich völlig jeder Logik entbehren, denn „ihr“ Blut ist komplett gleich, wie „unser“ Blut. Trotzdem geht es bei Körperflüssigkeiten nicht um Logik, sondern einfach der Gedanke, dass Blut einem immer näher ist, als z.B. eine Nachbarin. Es ist genauer gesagt das Körpernächste. Hier findet also eine künstliche Biologisierung von (fast) Gleichem statt (alle Unterschiede sind im Bereich von Phänotypen z.B. bei Krankheitsanfälligkeiten wie Sicherzellenanämie oder beim HI-Virus zu finden).

Und da ist die FPÖ mit ihrem Blut-Slogan nicht auf dem falschen Weg, weil es, selbst wenn man den Spruch ekelerregend findet, sich genau auf diese biologische Ebene bezieht. Dass die FPÖ mit diesem Hintergedanken spielt, kann ja auch leicht nachvollzogen werden. Rechts rassistisch, und einer der ersten Gedanken ist (zumindest bei mir) die genannte „Blut und Boden“-Ideologie des NS-Regimes.

Eine Strategie als Nicht-FPÖler wäre es wohl, aufzuzeigen, wo solche Ideologien während des NS-Regimes hinführten. Aber hier schließt sich der Kreis: Die FPÖ verwendet Blut um die Fremden von den „echten Wiener_innen“ abzugrenzen. Also bevor man einfach den Spruch mit dem NS-Regime in Verbindung bringt(wobei es angebracht wäre), sollte man einen Nachteil bedenken: Leider verdeckt dieser Vergleich dieses zweite (und relevantere) Motiv der Biologisierung von Menschen, die in diesem blutigen Sinne definitiv gleich sind. Ich hoffe eine Antirassismusbehörde(o.Ä.) wird gegen dieses Plakat klagen. Ich hoffe auch, dass jede und jeder der sich betroffen fühlt, die Möglichkeit bekommt zu klagen. Damit die FPÖ finanziell ausgehungert wird. Um sie aber schon möglichst früh auszuhungern, darf sie auch nicht gewählt werden. Jede Stimme, die eine andere Partei bekommt, sind einige Cent weniger bei dieser offensichtlich säbelrasselnden Partei. Vielleicht macht sie ja irgendwann ernst mit ihren Forderungen und es das erste fließt Blut? Grüß Gott Uhrwerk!

Komplex!!!

Darf ich „Scheiße“ in einer Zeitung schreiben? Darf ich Scheiß in einer Zeitung schreiben? Die Frage ist, wie kann ich sonst beschreiben, was derzeit passiert. Scheiße wird gebaut, und den Anderen gleich direkt ins Gesicht geschmiert. Es geht darum, wer mehr kann – wer mehr macht, wer mit mehr Dreck um sich wirft. Den Grenzen sind keine Grenzen gesetzt.

Was möglich ist, wird gemacht, ohne Rücksicht auf Verluste.

Wenn Gefühle verletzt werden – das ist halt so.

Wenn es nicht so gemeint war – das geht halt nur so.

Wenn es keine andere Möglichkeit gibt – es hat halt so sein müssen.

Wenn etwas Schlimmes passiert – irgendwer muss mal verlieren.

Klugscheißende nennen das Kollateralschaden. Andere wissen, dass Österreich keinen Krieg führt – höchstens gegen das Volk. Aber für alle gilt die Unschuldsvermutung, besonders für Bananenstaaten und Schurkenrepubliken. Wo wir wieder bei der Biologie und beim Bescheißen wären. Doch, Leute seien wir mal ehrlich, die meiste Zeit sind wir doch damit beschäftigt, ähnliche Menschen runter zu drücken, damit wir besser dastehen. Für Leute die schlechter sind als wir, tja für die haben wir eh keine Zeit, bringt ja eh nicht viel. Da wissen wir Beschei..d, auch wenn unser System sehr kompliziert ist. Eigentlich alles nur falsche Kommunikation. Sonst würde es keinen Sinn machen.

Wie jetzt? System? Grenze? Kommunikation? Sinn? – nein, ich schreibe nicht von Systemtheorien! Ich schreibe vom PC-Spiel und Steampunk-Klassiker „Arcanum“, vom allseits bekannten schwierigen dritten LP von „A Perfect Circle“, vom Samjatins bahnbrechenden literarischen Werk „Wir“. Passgenau bis ins letzte Detail funktioniert das Räderwerk der Gesellschaft, geschmiert mit Scheiße, dass niemand überhitzt, kein Reibungsverlust, kein Ausschuss, kein Kollateralschaden entsteht. Das ist nun mal so.

Nicht sehr feministisch, aber zumindest mein Kontrastprogramm zur „ganzen Scheiße“. Frauen sind ja prinzipiell nicht ausgeschlossen, sie dürfen den Plunder und Schrott auch in ihre Hände nehmen und umher schleudern. Sie sind sogar ausdrücklich dazu aufgefordert. Abschließend noch, um die Quote zu erfüllen: „Scheiß ‘ÖH-Scheiß’!!!“

Universaldilettant waren weniger Fans beschieden als diesem seelenlosen Metropolis

[Artikel ist in der Libelle Ausgabe 4 (2010) erschienen]

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