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Der antifeministische Konsens in Österreich

Dieser Artikel sollte vor der Rektoratswahl online gehen, doch ich entschied nicht ihn nicht zu veröffentlichen, da ich glaubte, die FLUG hält sich an die Spielregeln, die sie bei den anderen Fraktionen vermisst. Dem ist nicht der Fall, wie die letzten Tage beweisen, deswegen ist es mir ein Anliegen die Wahrheit über diese Diffuse Fraktion ans Licht zu bringen

Feminismus ist nichts Böses. Es nicht darum, dass Frauen die Weltherrschaft an sich reißen, sondern dass Frauen bei gleichen Fähigkeiten gleich hoch in der Karriereleiter aufsteigen können und dass sie die gleichen Chancen haben wie Männer. Und vieles mehr was zur Chancengleicheit und Gleichstellung führt.

Er gibt auch nur mehr sehr wenige Menschen, die solche Forderungen ablehnen. Wie kann man schon dagegen sein, dass eine Frau, nur wegen ihrem Geschlecht nicht die Position erhält, die sie verdient. Meistens sind es irgendwelche Menschen(natürlich auch Frauen), die sich nicht hinreichend mit dem Thema beschäftigt haben oder die in Männerbünden vor sich hin tümmeln.

So weit, so gewöhnlich. In Österreich sind jedoch Frauen in Toppositionen äußerst rar gesäht – andere Staaten sind da viel weiter. Warum lässt sich an einem Beispiel in der Universitätsvertretung(UV) in Graz zeigen: Im Allgemeinen ist man ja für Gleichstellung, aber im Speziellen, wenn es ums Eingemachte geht, dann findet man eben irgendwelchen fadenscheinigen Gründe, warum man jetzt nicht für eine Maßnahme sein soll, die zu mehr Gleichstellung und Gleichberechtigung führen würde.

Das Feld UV eignet sich gut, weil hier eigentlich junge aufgeschlossene Menschen sind, deren Meinungen noch nicht einzementiert sind. Diese Menschen sind politisch interessiert und informiert – sozusagen eine Elite. Zur Erklärung der Situation: An der Uni Graz soll bald eine RektorIn gewählt werden. Momentan gibt es zu wenige Rektorinnen. Die gläserne Decke behindert sie. Die gläserne Decke soll eine Erklärung geben, warum Frauen nicht in die oberste Etage des Managements kommen – sie geht davon aus, dass Frauen eine unsichtbare Wand vor sich haben, die unüberwindbar scheint. So auch bei den Rektoratsstellen – es gibt momentan nur 2 Rektorinnen, die erst kürzlich gewählt wurden. Geben sollte es mindestens zehn.

So wurde in der UV diskutiert, ob sich die ÖH dafür aussprechen sollte, dass eine Frau als Rektorin empfohlen werden sollte. Dieser Antrag, den Natalie Ziermann einbrachte, wurde – überraschend für mich – mit 12 Stimmen abgelehnt. Stattdessen wurde ein Antrag bestätigt, der von einer Fraktion stammt, deren Meinungsführer häufig in solchen Männerbünden aktiv sind. Die rabenschwarze Aktionsgemeinschaft hat den Antrag eingebracht, dass nach Fähigkeiten gewählt werden muss, unabhängig vom Geschlecht.

Ist ja alles schön und gut, aber genau mit solchen Argumentationen kann man erklären warum es eine gläserne Decke gibt. Die Menschen, die in den Entscheidungsgremien behaupten, sie wählen die Person unabhängig von der Fähigkeit. Das ist so ähnlich, wenn man sagt Frauen sind in der Sprache eh mitgemeint. Aber was nicht schwarz auf weiß da steht, das kann man leider nicht kontrollieren – und wissen das auch die Menschen, die die Texte dann lesen – das theoretische Rüstzeug liefert hier der linguistic turn.

Gleich bei der Rektor_innenwahl. Welche Fähigkeiten man wie bewertet ist rein subjektiv, und was die einzelnen Menschen denken ist auch unklar. So können Männer dezidiert frauenfeindlich sein, aber sie argumentieren dann, dass sie nach der besten Qualifikation ausgehen. Wobei es schon ein Fortschritt ist, dass ein Mensch in hoher Position nicht sagen kann, Frauen seien von Haus aus unbegabter. Genau so würde jede_r argumentieren. Viele Frauen argumentieren auch, dass sie anfangs einer Quote kritisch gegenüberstanden, aber dann eben Phänomene wie die Gläserne Decke bemerkten – und dann auf einmal verstehen, warum es eine Quote gibt – aber auch die Quotendiskussion soll hier nicht geführt werden. Ziel dieses Artikels ist es, den antifeministischen Konsens in Österreich an einem konkreten Beispiel zu belegen.

Ich möchte nicht die Aktionsgemeinschaft bearbeiten – sie ist konservativ bis reaktionär – und hat ein eher traditionelles Frauenbild (Männer müssen mehr verdienen; wenn jemand den Haushalt führt, dann die Frau etc.). Hier soll es um eine Gruppe gehen, die sich als unpolitisch definiert, und sich selber in der politischen Mitte sieht, und jeweils die bessere Lösung von links oder rechts herausholt – sozusagen ein „dritter Weg“ (nach Hitler und Blair/Schröder ein weiterer noch dazu recht unbeholfener Versuch). Aber auch die Technokratiediskussion möchte ich nicht führen. Zum besseren Verständnis ist es hilfreich, die Diskussion verfolgt zu haben.

Die Zusammenfassung der Fachschaftslisten(FLUG): Eine Gruppe von Menschen, die ungefähr die studentische Mitte repräsentiert (die Diskussion von der sozialen Zusammensetzung liefert zwar ein wenig andere Ergebnisse, aber für diesen Artikel genügt diese Verallgemeinerung), die politisch informiert, engagiert, jung und gegenüber Veränderung indifferent bzw. gespalten sind. Und die in nur wenigen Teilbereichen extreme Wertvorstellungen haben. Die einzelne Akteure der Fraktion sind natürlich ganz unterschiedlich. Die eigentliche politische Position ist auch durch organisationelle Strukturen und Zufälle bestimmt, die die einzelnen Akteure in der Organisation natürlich kaum reflektieren können.

Diese Gruppe hat also mehrheitlich gegen die Willensbekundung, dass eine Frau eine Führungsposition übernehmen soll, gestimmt. Die Abstimmung in der UV war natürlich geheim, aber man konnte anhand der Reaktionen und der Wortmeldungen bestimmten, wie sie abstimmten. Redensführer_innen waren Stefan Thum und Anna Hutter, beides politische Asse der FLUG.

Ein Argument war, auch die BMin Beatrix Karl sei, eine Frau – und dies hieße nicht, nur weil sie eine Frau sein, dass sie automatisch die beste Option für die Studierenden sei. Leider ist dieser Vergleich an einem Punkt falsch: Nicht die Frau ist studierendenfeindlich, sondern die Partei – die ÖVP – es ist in diesem Sinne egal, ob eine Frau oder ein Mann am Minister_innenstuhl sitzt. Oder schlagwortartig – wenn ein Mann inkompetent ist, dann ist es etwas Persönliches, bei einer Frau ist es immer deswegen, weil sie eine Frau ist. Z.B. an dem Vorurteil, dass Frauen schlecht in Mathe seien, kann man das sehr schön an diesem Comic zeigen. Es werden einfach zwei verschiedene Maßstäbe genommen – Hahn war studierendenfeindlich, weil er bei der ÖVP ist. Karl ist studierendenfeindlich, obwohl sie eine Frau ist. Richtig wäre beides am Geschlecht festzumachen: als Hahn, weil/obwohl er ein Mann ist – aber da sieht man dann wie sinnlos diese Kategorie ist. Studierendenfreundlichkeit ist genauso ein Merkmal wie Qualifikation, das man beliebig drehen und wenden kann – es ist rein subjektiv. Man kann andere Gründe vorschieben. Natürlich, das ist ein grundsätzliches Problem in der demokratischen Entscheidungsprozessen(aber auch diese Diskussion soll nicht hier geführt werden).

Man dürfe eine Frau nicht bevorzugen, nur weil sie eine Frau sei. Männer benachteiligen, das geht nicht. Richtig, aber wie immer geht es um gleiche Qualifikation. Darüber kann man streiten. Deswegen sollte jede Personalentscheidung dringend reflektiert werden, inwieweit das Geschlecht eine Rolle spielt. Manchmal wundere ich mich selbst wie tief diese Vorurteile sitzen. So habe ich geglaubt, dass sich Frauen das Web 2.0 wesentlich langsamer aneignen als sie es tatsächlich taten. Sie können diese neuen Technologien aber gleich gut bedienen und nutzen sie auch gleichermaßen viel (danke Fuchsy, der mich auf diesen Fehler hingewiesen hat und nebenbei auch bei der FLUG ist). Die tatsächliche Benachteiligung liegt eher wieder im elitären bzw. oberen Bereich – dort sind wieder Männer in der Überzahl(wieder ist an die gläserne Decke zu denken). Ich habe aber indirekt den Frauen weniger zugetraut als Männern – und das obwohl ich mich für dieses Thema engagiere und interessiere. Da erscheint dann das Argument, Frauen sollten nicht bessergestellt werden, lächerlich. Selbst wenn einmal eine weniger qualifizierte Frau den Posten bekäme – man sollte auch das immer vermeiden – so ist das gegenteilige viel öfter der Fall – und wenn es eine Schiefe gibt, die allerdings einmal in Richtung Frau geht, dann kann man das verschmerzen. Gleichberechtigt ist dann, wenn die Fehlentscheidungen eine Quote von 50% haben. Da ist man weit entfernt: Deswegen ist das Argument unschlüssig vor einer Fehlentscheidung zu Gunsten Frauen zu warnen, mehr als zynisch. Relativierend ist zu sagen, dass Feminist_innen dies z.T. tun, aber die sind in Österreich in der Minderheit. Aber dazu später mehr.

Das Kernargument der FLUG war allerdings: Natalie Ziermann habe nicht die nötige Qualifikation zu entscheiden, ob eine Frau besser wäre, weil sie ist nicht Senatsmitglied und kennt nicht die detaillierten Unterlagen. Anders als die beiden anderen Hauptargumente, ist dieses kein Sachargument, sondern eine Personenargument. Man spricht die Eignung einer Person ab, in dem Fall durch Mangel an Information. Hier vor allem wieder Stefan Thum und Anna Hutter. Leider haben sie es verabsäumt – obwohl sie die Informationen offensichtlich hatten – diese darzulegen und zu zeigen, dass keine Frau studierendenfreundlich bzw. qualifiziert sei. Sie haben sogar versucht Natalie Ziermann aus der Reserve zu locken – nämlich unterstellten sie ihr, dass sie die Informationen widerrechtlich durch Cengiz Kulac angeeignet habe, weil diese vertraulich seien. Durch diese Unterstellung konnte die FLUG wesentlich leichter ihr Argument vorantreiben, dass Natalie nicht die nötige Kompetenz habe. Im klassischen Sinne eine Diskreditierung vom politischen Gegner bzw. in diesem Fall von einer Feministin. Es ist bezeichnend, dass dieses Argument und nicht die inhaltlichen gewählt wurden. Die Streitpunkte waren andere – es ging nie um dieses Wissen – aber der Punkt war sozusagen ein einfacher Schwachpunkt. Damit wurde die Diskussion banalisiert. Mit ähnlichen Argumenten kann man natürlich auch eine Rektoratsanwärterin ausschalten – man sucht sich einen schwachen Punkt und entzieht ihr damit die gesamte Kompetenz. Wichtig ist, dass dieser Punkt gesucht wurde. Im schlimmsten Fall gibt es auch bei der Rektoratswahl ähnliche Mechanismen. Welche Interessen bei der FLUG nun wirklich dahinterstecken, ist natürlich schwer zu rekonstruieren, jedoch legt dieses letzte verwendete Argument ein dahinter liegendes Interesse nahe. Sonst hätten sie eher auf dieses letzte Argument verzichtet, aber es war meines Erachtens ihr Hauptargument. Doch soll es nicht um politischen Kindergarten gehen oder um Partikularinteressen, sondern es soll dokumentiert werden, wie zufällige oder scheinbar zufällige oder irrelevante Einflüsse die Entscheidung verändern können.

Nach der Abstimmung gab es die nächste Anomalie. Einige der FLUG-Menschen haben applaudiert, also gezeigt, dass ihnen das Ergebnis gefällt. Damit haben diese Personen ihr Wahlgeheimnis nicht gebraucht. Am augenscheinlichsten war Beate Treml, da ich mir von ihr niemals Applaus erwartete. Wie kann man Vorsitzende des Gleichbehandlungsausschusses der Bundes-ÖH sein und gleichzeitig dem chauvinistischen Antrag der Aktionsgemeinschaft applaudieren(und die FLUG ist aus einer Abspaltung zur AG entstanden und können aus diesen historischen Gründen überhaupt nicht miteinander). Ich verstehe es nicht! Mehr noch – es macht mich furchtbar wütend. Wenn man dem Antrag zustimmt und abwiegt – und glaubt, dass Frauen nicht systematisch benachteiligt werden – dann kann man ja dem Gegenantrag zustimmen. Aber wofür applaudieren? Was soll daran gut sein, wenn die ÖH keine fixe Position einnimmt. Gegen den Rektorinnenmangel ein Zeichen zu setzen, das war ihr wohl zu viel. Als Frau, die sich ja mit Benachteiligung auskennen sollte, hat sie einem anti-feministischen Ressentiment der konservativen Aktionsgemeinschaft unterstützt – wobei sie doch genau wissen müsste, dass die AG andere Ziele verfolgt. Wenn ich noch früher von ihr recht viel hielt, denke ich, dass sie nicht die richtige Person für den Gleichbehandlungsausschuss ist. Es gibt weder stichhaltige Argumente eine Quote zu verweigern, geschweige denn zwar Lippenbekenntnisse zur Gleichberechtigung abzugeben, aber dann konkret nichts dazu beizutragen.

Der Senat entschied dann überraschend, dass Christa Neuper und Martin Polaschek ex aequo auf Platz zwei des Dreiervorschlages gewählt wurden. Das bedeutet, dass Martin Polaschek vom Senat schon aus dem Rennen ist – denn wäre der erste ausgeschieden – dann müsste die GLEICHQUALIFIZIERTE Frau den Posten erhalten. Dies sollte auch der Uni-Rat bedenken. Und die Fachschaftslisten, die offensichtlich falsch in ihrer Annahme waren, dass beide Frauen nachweislich studierendenfeindlicher wären. Auf jeden Fall müssen sie sich jetzt zurücknehmen, denn sie haben ja nicht das nötige Einsichtsrecht, wie es der Uni—Rat hat – und im Senat und in der UV haben sie ihre Meinung abgegeben. Aber das sind wohl politische Kleinigkeiten, die ich selbst weiter durchdenken müsste. Ziel ist es, das Ergebnis darzulegen.

Was extrem wichtig ist: Die FLUG als Mitte-Fraktion hat sich gegen eine konkrete Gleichbehandlungsmaßnahme, die eigentlich nur eine Willensbekundung wäre. Sie hat sich der üblichen Argumente bedient, die dazu dienen Frauen zu diskriminieren und diese Diskriminierung zu rechtfertigen. Sie sind aber Studierende. Was ist jetzt mit der österreichischen Durchschnittsbevölkerung, wenn selbst die feministische FLUG-Frau Beate Treml bei einem AG-Antrag mitmacht. Da sieht es für den Feminismus in Österreich nicht gut aus. Das erklärt die 25% Gehaltsunterschied bei gleicher Qualifikation und gleichem Stundenausmaß. Wenn noch nicht einmal Studierende, die sich als geistige Elite sehen, ihre eigentlich anti-feministische Haltung erkennen und reflektieren. Ich denke, dass diese Haltung anti-feministisch ist, weil unterschiedliche Kriterien bei Mann und Frau angewendet werden, dass Qualifikationen subjektiv bewertet werden, dass auf kleine Nebenschauplätzen ausgewichen wird, und diskriminierende Gedanken so Tief im kollektiven Gedächtnis verankert sind, dass man sie schwer selbst reflektieren kann und dass wir noch weit davon entfernt sind, die Fehlentscheidung für einen Mann gleich oft zu machen wie die Fehlentscheidung für eine Frau.

So wurden die Fachschaftslisten, die sich gern als pragmatisch-technokratisch über alles erhabene Mitte präsentieren, zur Steigbügelhalterin eines Männerbundes. Und zeigen damit wo Österreich in punkto Gleichberechtigung steht – in der Steinzeit. Der anti-femistische Konsens macht nicht vor der selbst-deklariertem Mitte halt, die in diesem Teilaspekt weit rechts ist. Das muss geändert werden.

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